Konsequent inkonsequent.

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Wer kennt das nicht, dass man manchmal seine Meinung ändert? Oder sich manchmal etwas anders überlegt oder sich umentscheidet? Ja, das ist generell kein Problem – es sei denn, man hat Kinder.

Dann ist das nämlich INKONSEQUENT. Seit ich Mutter bin, hat dieses Wort in meinem irgendwie einen anderen Platz bekommen, ständig umschwirrt es einen. Man muss konsequent dies oder jenes tun, damit das Kind sich gut entwickelt – manches darf man auf konsequent nicht tun, ansonsten droht: „Du bist aber inkonsequent. Kein Wunder, dass der Mini… (bitte hier irgendein beliebiges, normales Kleinkindverhalten einsetzen).“

Hallo, mein Name ist Tina und ich erziehe inkonsequent…

Ja, ich bin inkonsequent. Und heute breche ich hier mal eine Lanze für die so verdammte Inkonsequenz. Ich bin die Mutter, die auch zweimal am Tag Marmeladenbrot serviert. Am Couchtisch. Zum Wimmelbuch. – Nein, so essen wir nicht jeden Tag. Manchmal aber schon. – Ich bin auch die Mutter, die erst Nein sagt und dann doch noch eine Runde Kekse rausrückt. Die abends sagt, dass nach dem Buch jetzt aber wirklich Schluss sei und dann doch noch zwei vorliest. Und die, die das Schubladen-Ausräumen erst verbietet und sich dann mitten im Satz unterbricht und denkt „Ach, komm…“. So bin ich. Ich bin inkonsequent.


Und ich bin das nicht aus Faulheit, weil ich gerade einfach keine Lust habe eine bestimmte Regel durchzusetzen, oder auf einem bestimmten Ablauf zu bestehen. Ich bin inkonsequent, weil ich mich regelmäßig frage, ob die Entscheidung gerade wirklich eine Auseinandersetzung wert ist. Und das ist es ja, was im Normalfall folgt, wenn man bei einem Kleinkind auf das Essen am Tisch besteht, das Schubladen ausräumen oder sonst überhaupt irgendetwas verbietet.

„Pick your fights“, sagt man bei den Unternehmensberatern ja gerne, such‘ dir deine Kämpfe weise aus. Wer mit einem Kleinkind zusammenlebt, weiß, dass es theoretisch alle zehn Minuten eine Möglichkeit gibt sich in die Haare zu geraten. Ich möchte mich einfach nicht ständig streiten und überlege im Zweifel immer lieber nochmal ob und vor allem warum mir etwas jetzt wichtig – oder vielleicht doch nicht so wichtig? – ist.

Das Leben ist doch auch nicht konsequent, oder?

Die schönsten Dinge, Momente und Erlebnisse im Leben entstehen manchmal unbeabsichtigt. Aus Fehlern, Inkonsequenzen, Abweichungen von der Routine.  Wie langweilig, wenn alles immer nach Plan A oder Schema F laufen würde. Das Leben ist nicht konsequent. Es fordert Flexibilität von uns, Richtungswechsel, Meinungsänderungen und Anpassung an neue Gegebenheiten.

Wie kommen wir also nur darauf, dass Inkonsequenz für unsere Kinder so furchtbar ist? Ja, Kinder lieben Routinen und finden in Ihnen Sicherheit – und sie lieben es genauso sehr, wenn man die gewohnten Pfade einmal verlässt. „Einen total verrückten Tag“ nennt das eine Freundin für ihren Sohn – an diesem Tag läuft eben alles etwas anders als sonst. Ich wünsche mir manchmal für mich auch total verrückte Tage, an denen alles Regeln auf dem Kopf stehen.

Der Zauber der Ausnahme

„Das bleibt sonst immer so, das will er dann jetzt jedes Mal – pass‘ auf, nicht, dass das zur Gewohnheit wird.“ – das bekommt man häufig zu hören, wenn man mit Entscheidungen ins Bezug aufs Kind flexibler umgeht. Ich halte das für Quatsch – wir haben kompetente Kinder, die sehr gut verstehen was eine Ausnahme ist. „Ausaweiiii“ sagt der Mini immer sehr begeistert, wenn es abends Marmeladenbrot gibt. Und strahlt ganz glücklich. Weil er gefragt hat und ich ja gesagt habe. Auch wenn wir das sonst abends nicht essen. Und, stellt euch vor: es ist trotzdem in Ordnung, dass wir das nicht jeden Abend essen.

Auch mal inkonsequent sein heißt für mich nicht, dass sich nicht die Werte, die einem als Eltern wichtig sind, als Konstante durch die Erziehung hindurchziehen. Meinem Mann und mir ist – um mal beim Marmeladenbrot-Beispiel zu bleiben – eine gesunde, ausgewogenen Ernährung und ein verantwortungsbewusster Umgang mit Nahrungsmitteln grundsätzlich wichtig. Dass es aber auch mal ein Marmeladenbrot zum Abendessen gibt, steht für mich absolut nicht im Gegensatz dazu. Konstanz in den grundlegenden Werten finde ich absolut wichtig, blinde Konsequenz unsinnig, stressig und anstrengend für alle Beteiligten.

Kinder brauchen eine Richtschnur an der sie sich orientieren können, wir als Eltern sollten für sie verlässlich sein in unseren Werten. Und dann zwischendurch liebevoll inkonsequent. Weil es doch ehrlicherweise die Dinge sind, an die wir uns aus unserer eigenen Kindheit gerne zurückerinnern: das lange Aufbleiben und noch fernsehen dürfen, die Süßigkeiten im Bett nach dem Zähneputzen, das dritte Eis an einem heißen Sommertag und der geschwänzte Musikunterricht.

Alles ganz furchtbar inkonsequent, oder vielleicht einfach nur eine schöne Ausnahme? 😉

Liebe Grüße,
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So gross – und ganz klein.

Er ist schon so groß. Das denke ich jeden Tag mehrmals, wenn ich den Mini ansehe. „So gooooß“ erklärt er jedem stolz, der ihn fragt, wie alt er ist. Inzwischen kann er so gut artikulieren, was er möchte und was nicht. Müsli, Käsebrot, Mama helfen, Pielplatz, nach Hause, Musik an/aus, zu warm/laut/eng – er ist da sehr deutlich. „So gross – und ganz klein.“ weiterlesen

Das ewige Lied vom Schlafen

…und, schläft er schon durch…? Mit wohl keiner anderen Frage kann man meinen Puls schneller in die Höhe treiben. 😉 Schlafen ist DAS Elternthema schlechthin. Nicht umsonst gibt es dazu unzählige Ratgeber, denn Massen von übernächtigten Eltern lechzen nach dem perfekten, effektiven Ein- und Durchschlaftipp. „Das ewige Lied vom Schlafen“ weiterlesen

Zwei Jahre

Meine Güte, zwei Jahre! Unfassbar. Das war doch erst gestern, als ich dich morgens um zwei Uhr nach einem ziemlich aufregenden Tag und einer ebensolchen Nacht endlich im Arm halten konnte. Zwar in einem OP statt wie gewünscht in einem Kreisssaal, aber hey: ich hatte dich im Arm und das war alles, was in diesem Moment zählte. „Zwei Jahre“ weiterlesen

Es nervt. Ein Mini-Instagram-Rant

Liebe semiprofessionelle Instagrammer mit Erfolgsambitionen,

ihr geht mir gerade gewaltig auf den Keks, wisst ihr das? Ihr möchtet mit Instagram Geld verdienen und möglichst schnell viele Follower haben? Fein.
Ihr postet fleißig jeden Tag Bilder und dann hat jemand den MEGA-SUPER-Tipp für euch: ihr müsst einfach ganz vielen Leuten völlig wahllos folgen, dann folgen die euch auch zurück. Am allerbesten hinterlasst ihr noch schnell einen Kommentar wie „Tolle Fotos/Cooles Profil/Awesome“. Und damit ihr dann nicht 10.000 Leuten folgt, müsst ihr denen dann ganz schnell wieder entfolgen. Die sind eh alle doof bei Instagram, das fällt gar nicht auf.

Und so followed ihr euch dann fleissig, fleissig durch die Insta-Welt oder beauftragt gleich einen Bot damit. Und schon ganz bald seid ihr super berühmt und die Kooperationsanfragen sprengen euer Postfach. Ganz bestimmt. Nicht.

Versteht mich bitte nicht falsch: bewerbt euer Profil soviel ihr wollt, tretet Like4like-Gruppen bei, vernetzt euch, von mir aus kauft euch Follower – tut, was ihr für nötig haltet um erfolgreich zu sein, es ist mir wurscht. Aber bitte hört auf, mich zu nerven. Denn das bin ich: völlig genervt von dieser aktuell offenbar sehr angesagten Folgen-Entfolgen-Folgen-Entfolgen-Strategie. Ihr wollt Aufmerksamkeit? Das habt ihr geschafft. Ihr wollt, dass ich reagiere? Aber gerne. Mit blockieren.

Und ich habe ansonsten auch noch einen super-duper-Geheimtipp für euch: vielleicht versucht ihr es ja auch mal mit relevanten Inhalten oder schönen Fotos? Oder mit etwas zu sagen und der Suche nach Gleichgesinnten, die zu ähnlichen Themen posten? Qualität statt Quantität, schon mal gehört? Jaja, ich weiß, der neue Instagram-Algorithmus, da hilft das nicht, wenn man in vier Wochen ein Insta-Promi werden möchte. Voll gemein. Aber deswegen muss man ja noch lange nicht anderen Menschen tierisch auf die Nerven gehen.

Ich bin ja wirklich ein großer Instagram-Fan. Mir macht die App viel Spaß und ich habe darüber schon viele nette Leute kennengelernt. Und deren Likes und Kommentare möchte ich gerne in meinem Nachrichten-Feed auch noch sehen können. Aber in letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass ich bei Instagram nur noch damit beschäftigt bin, euch rauszuschmeissen und eure Kommentare zu löschen. Und das nervt. Ich mag nämlich lieber Fotos liken und kommentieren und posten und Spaß haben.

Ich zeige auf Instagram meinen Mama-Alltag, leckeres Essen und andere schöne Dinge des Lebens. Wenn mir jemand folgen mag, freue ich mich. Wenn derjenige über Themen postet, die mich interessieren und mir die Fotos gefallen, folge ich zurück und like und kommentiere sehr gerne. Aber eben nur dann.

Eure
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Von Binsenweisheiten und Unkenrufen: der Start in das Leben als Eltern

Es gibt wohl nur wenige Momente im Leben, in denen sich so viele Menschen bemüßigt fühlen einem wohlmeinende Ratschläge mit auf den Weg zu geben, wie während einer Schwangerschaft. Nicht nur, dass jeder weiß, was man unbedingt essen muss und keinesfalls essen darf – nein, auch wie sich das eigene Leben künftig verändert, können einem Außenstehende erstaunlich präzise vorher sagen.

Erst kürzlich stand ich wieder dabei, als solche Ratschläge verteilt wurden und fühlte mich an meine eigene Schwangerschaft erinnert. Vor genau zwei Jahren lag ich Mitte März wie ein gestrandeter Walfisch auf unserer Couch, habe Serien geguckt und mich gefragt, wie mein Leben in vier Wochen wohl aussehen würde. „Von Binsenweisheiten und Unkenrufen: der Start in das Leben als Eltern“ weiterlesen

Oh, du schöne Onlinewelt – vom Mitfreuen und Tellerrändern

Gerade habe ich meinen Post zu den letzten Freitagslieblingen beendet und daraus einen langen Kommentar von mir zu diesem tollen Artikel von Julia auf makellosmag.de herausgenommen. Der hätte die Freitagslieblinge wirklich ein wenig gesprengt. Ihr Artikel hat mich nachdenklich gemacht, genauso wie die Frage von Frau Mierau auf Twitter neulich, warum wir eigentlich beim Wochenende in Bildern mitmachen und was wir daran mögen. Und jetzt müsst ihr eben hier meine Gedanken dazu lesen. „Oh, du schöne Onlinewelt – vom Mitfreuen und Tellerrändern“ weiterlesen