Vom Vertrauen und Loslassen – oder: Eingewöhnung für Mama

Seit Anfang September ist der Mini ein großes Kindergarten-Kind und ich muss ehrlich gestehen, dass ich ganz schön Bammel vor dem Start in den Kindergarten hatte. Nicht, weil ich nicht davon überzeugt war, dass das der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt für unseren Sohn ist. Oder weil ich nicht das Gefühl hatte, dass wir den richtigen Kindergarten gefunden haben – nein, davon bin ich voll und ganz überzeugt.

Einfach, weil wir vor etwa einem Jahr schon einmal versucht haben, den Mini einzugewöhnen – in einer Spielgruppe – und es einfach nicht klappen wollte. Jetzt weiß ich, dass es vermutlich einfach zu früh für ihn war – aber trotzdem hat es mich nervös gemacht. Um es gleich vorwegzunehmen: der Mini geht total gerne in den Kindergarten und ist inzwischen prima dort angekommen.

Ich möchte hier aber eigentlich gar nicht über seine Eingewöhnung schreiben –  dazu gibt es schon so viele gute Texte und Erfahrungsberichte! (Ein ganz wunderbares Eingewöhnungstagebuch findet ihr übrigens hier bei Sandra auf Wortkonfetti! Da ihr Sohn einige Wochen vor dem Mini mit dem Kindergarten begonnen hat, habe ich bei ihren Updates immer mitgefiebert.) Ich möchte über meine Eingewöhnung schreiben. Als Mama braucht man nämlich ganz genauso eine „Eingewöhnung“ – an den neuen Abschnitt, die neue Selbstständigkeit des Kindes und die Veränderungen, die das mit sich bringt.

Erste Schritte „außer Haus“ – wenn kleine Kinder größer werden

Das eben noch so kleine Baby geht nun „alleine“ in den Kindergarten. Das ist jetzt „sein Tanzbereich“, sein erster Schritt aus dem Elternhaus heraus in die Selbstständigkeit. Ich übertreibe? Naja – bisher war ich bei jedem neuen Entwicklungsschritt meines Sohnes dabei. Also wirklich dabei, im Sinne von „ich stand daneben“. Nun kommt das Kind fröhlich aus dem Kindergarten nach Hause und kann auf einmal Martinslieder singen. Mit mehreren Strophen. Das ist wunderschön – und ein kleines bißchen gewöhnungsbedürftig.

Sein Radius und sein Erfahrungshorizont werden größer. Das ist genau richtig so. Er macht neue Erfahrungen, ist Teil einer Gruppe und orientiert sich an weiteren, sehr liebevollen Bezugspersonen. Es tut ihm gut, das merke ich jeden Tag. Es gibt ihm enorm viel Selbstbewusstsein. Mein Kopf hat mir das auch schon gleich zu Beginn der Eingewöhnung gesagt.

Der Bauch dagegen meinte bei unserem Start mir entgegenbrüllen zu müssen: „Meeeeeiiiiiiinn Baaaaaaabyyyyyy gehört zu mir!!!“ (Etwas überspitzt formuliert, und bei der schönen Dirty Dancing-Analogie zu bleiben…) Aber mal im Ernst: Wer hätte denn gedacht, das beim Wurzeln und Flügel geben die Flügel der schwierigere Part sein würden? Ich nicht.

Ich bin ja generell eher ein Bauchmensch und mache viel „nach Gefühl“. Auch beim Kindergarten war mein Gefühl beim Kennenlernen sofort ein sehr gutes. Und trotzdem bin ich froh, dass ich in der Eingewöhnung auf meinen Kopf gehört habe. Denn manchmal hat der halt einfach auch mal Recht.

Raus aus der vertrauten Komfortzone – Vertrauen ist alles. Punkt.

Wenn es in den Kindergarten geht, hat man sich zu Hause mit Kind gerade so richtig schön „eingerockt“. Man hat seinen Rhythmus gefunden, Abläufe die funktionieren entwickelt und puzzelt so gemütlich und wohlig in seiner Komfortzone vor sich hin. Wir alle wissen ja aber, dass man sich für einen wirklich richtigen Entwicklungsschritt auch mal aus dem gemütlichen Wohlfühlbereich hinaus trauen muss. Raus in die Welt, oder vielmehr: in den Kindergarten.

Letztendlich ist dabei für mich vor allem eins wichtig gewesen: Vertrauen. Ich vertraue meinem Kind keiner anonymen „Fremdbetreuung“ an, sondern Menschen, die ihm schnell sehr vertraut sein werden. Von denen er lernen wird, und mit denen er wachsen kann. Damit das klappt, muss ich diesen Menschen vertrauen – schließlich haben wir den Kindergarten ja auch sorgfältig ausgesucht.

Wenn ich Ihnen vertraue, dann kann auch mein Kind Vertrauen fassen. Denn es gibt wahrscheinlich keinen Menschen, der mich so gut „lesen“ kann, wie der Mini. Wenn er merkt, ich fühle mich unwohl, reagiert er entsprechend. Ich muss mich also bewusst entscheiden, zu vertrauen – damit er das auch kann. Ich weiß, das klingt alles ein bißchen kompliziert – aber für mich ist das ein ganz wichtiger Punkt. Oft wird Vertrauen ja als etwas beschrieben, was sich erst nach vielen Jahren zwischen Menschen einstellt. Diese Zeit ist bei der Kindergarten-Eingewöhnug nicht da. Ich habe mich also entschieden, mein Vertrauen „zu schenken“ – diese Formulierung beschreibt es eigentlich am besten.

Kindergarten ist Kindergarten. Zuhause ist Zuhause.

Eine andere Art von Gedanken, die mir immer wieder während der Eingewöhnung durch den Kopf huschte war oft: „…aber der Mini mag A ja gar nicht gerne.“ „Mit B kann er nicht so gut umgehen.“ „Wenn es C ist, dann hat er immer…“  – niemand kennt die Vorlieben, Ängste oder allgemein die Besonderheiten eines Kindes so gut wie die Eltern. Ich hatte am Anfang das Bedürfnis möglichst viel von diesem „Wissen“ an die Erzieherinnen weiterzugeben – was zu Beginn bei einigen ganz wichtigen Dingen auch absolut sinnvoll ist.

Und dann habe ich auf einmal festgestellt, dass Kindergarten Kindergarten ist. Und der Mini dort anders agiert und reagiert als zu Hause. Dinge mag, die er zu Hause doof findet. Oder zu Hause Dinge mag, die im Kindergarten so gar nicht angesagt sind. Und gelernt – ich muss das alles gar nicht weitergeben. Ja, ich bin die Expertin für mein Kind. Mein Zuhause-Kind. Das Kindergarten-Kind darf ich auch ganz neu kennenlernen.

Auch ansonsten laufen im Kindergarten Dinge anders als zu Hause. Natürlich – es macht eben einen Unterschied, ob es zwei oder 22 Kinder sind, mit denen man Zeit verbringt. Es kann gar nicht so laufen wie zu Hause – und es sollte es auch nicht. Denn wenn es genauso wie zu Hause wäre – nur ohne Eltern – wo wäre denn dann der zusätzliche Input, die Anregung fürs Kind? Ich glaube, dass der große Gewinn für Kinder im Kindergarten eben genau darin liegt, dass es dort anders ist als zu Hause. Nicht weniger liebevoll, sondern anders liebevoll. Nicht weniger zugewandt, sondern anders zugewandt.

Dieses Erfahren von Vielfalt, dieses Anders-Sein, das Teil-einer-Gemeinschaft sein, die nicht die eigene Familie ist – für mich ist das der entscheidende Punkt, der Kindergarten ausmacht. Ich kann dem Mini zu Hause vieles bieten – sogar die Gesellschaft gleichartiger Kinder am Nachmittag – aber diese Erfahrung nicht.

Und deshalb freue ich mich jeden Morgen, wenn der Mini lachend seinen Tiger-Rucksack schnappt („alleine tagen!!“) und an der Tür wibbelt, bis ich endlich meinen Schlüssel gefunden habe, und es heisst: Auf geht’s in den Kindergarten!

Alles Liebe ,
Eure Tina

 

 

 

2 Kommentare zu „Vom Vertrauen und Loslassen – oder: Eingewöhnung für Mama

  1. Ich weiß noch, wie skeptisch Du dieser Zeit entgegengeblickt hast und freue mich daher umso mehr, dass es am Ende so gut geklappt hat. Er macht das echt prima! Mit einem Tiger an der Seite kann man sich eben auch als Mini ordentlich durchbeißen….

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