Wenn das Bastelherz lacht und die Familie die Flucht ergreift.

Der Mini hat es nicht leicht mit mir. Das gebe ich gerne zu. Ich blogge, lese andere Blogs und liebe Pinterest und Instagram. Damit einher geht auch, dass ich auf diesen Portalen und Seiten leider auch STÄNDIG tolle Ideen aufsammele, was man mit einem Kleinkind so basteln kann. Zu Ostern zum Beispiel so süße Blumenbilder aus Handabdrücken. Nette Obstbilder mit Schlössern, Fröschen und anderem Getier auf dem Teller. Selbstgemachten Zaubersand in Regenbogenfarben. Mit Glitzer. Mein Bastelherz lacht, ich pinne fleißig auf meine Ideen-Pinwand, speichere Posts auf meine Inspirationen-Liste und bin glücklich.



Der Mini auch. Solange ich nicht versuche, das ganze mit ihm gemeinsam umzusetzen. Ich erzähle mal, wie das Ostern gelaufen ist: ein paar süße Blumenbilder aus Handabdrücken, wie süß – da werden sich die Großeltern freuen! Der Mini ist noch hocherfreut als ich den Wasserfarbkasten rausziehe und einen Pott mit Wasser bereitstelle. Er hofft vermutlich auf eine ausgiebige Wasser-Farb-Matschaktion und hat keine Ahnung, dass wir „etwas vorhaben“. Spätestens als ich seine Hand mit Farbe bepinsele, wird aus dem irritierten Blick ein empörter: er entwindet mir die Hand, und betrachtet sie eingehend. Schließlich hält er sie mir anklagend hin und fordert streng „DAS weg!!!“. Ich patsche schnell das Blatt Papier auf die Hand, während mein Sohn schon selbst in Richtung Badezimmer stiefelt und eile dann hinterher – wer weiß, was er auf dem Weg so alles anfasst. Danach ist er leider nicht mehr davon zu überzeugen, an der Fertigstellung des Bildes noch mitzuarbeiten. Die kleinen Bienchen entstehen deshalb aus meinen eigenen Fingerabdrücken. Dem kleinen Finger, damit es nicht so auffällt.



Mein als Garten arrangiertes Obst auf dem Snackteller mit süßen Gurkenbaumstämmen, Blaubeerblumen und einer Mangosonne kommentiert der Zweijährige trocken mit „keine Ädbeeern“. Ich fühle mich in meinen Bastel- und DIY-Ambitionen irgendwie von meinem Sohn nicht wertgeschätzt. Vermutlich rollt das Kind innerlich schon mit den Augen, wenn Mutti die Heißklebepistole zückt.

Woher kommt diese unstillbare Mama-DIY-Bastelwut? An zu wenig Bastelaktivität oder Kreativität in meiner Kindheit kann das jedenfalls nicht liegen. Meine Mutter ist Grundschullehrerin. Das sagt doch schon alles, oder? Nein?



Nun, lasst es mich so erklären: meine Mutter konnte man morgens um 7.15 Uhr am Frühstückstisch mit Forderungen wie „Oh, heute brauche ich für unser Kunstprojekt sechs ausgewaschene Joghurtbecher, fünf Eierkartons, 25 Töne Acrylfarbe, einen Malerkittel, die Pinsel Nr. 163, 263, und 267, Glitzerpuder und einen Block mit der Papierstärke 115 Gramm“ jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Sie verschwand unauffällig in ihrer Bastelhöhle (aka Arbeitszimmer) und fragte lächelnd, ob und wie viele leere Küchenrollen und gelbe Ü-Ei-Verpackungen außerdem gewünscht seien, und ob es die Acrylfarbe mit Glitzer oder mit Metallic-Finish sein soll. Grundschullehrer halt. Die sind ja generell mit wenig aus der Fassung zu bringen.

Oh ja, ich habe in meinem Leben schon viel gebastelt. Und getöpfert, gemalt, gehäkelt,  seidengemalt, gefimot. Kastanienmännchen, Strohsterne, Martinslaternen, Folienfenstersterne, Pompomkükem – meine Mutter braucht wirklich kein Pinterest für die 1001. kreative Idee. Eigentlich müsste mein Bastelengagement also bereits weit vor meinem 15. Lebensjahr erschöpft gewesen sein.

Ist es aber nicht. In meinem Kopf meldet sich regelmäßig eine kleine Stimme zu Wort, die mehr oder weniger leise flüstert: „Das kann man doch auch selber machen…“, „uhhh, was man damit alles basteln könnte…“.



Jeden Monat wenn unsere Windel-Abo-Lieferung in einem großen Karton bei uns eintrifft, juckt es mich in den Fingern. Es ist wirklich ein ziemlich großer Karton. Ein Boot, ein Auto, eine Rennstrecke, ein Riesenpuzzlespiel – meine Gedanken kreisen munter umher. Ich lenke mich ab, und entscheide mich dafür, einen Kochplan für die kommende Woche zu schreiben. Etwas vernünftiges. Und sinnvolles. 45 Minuten, eine Rolle Panzertape und eine kleine Schnittverletzung später habe ich eine Parkgarage mit zwei Abfahrten für den Mini gebaut. Oooops.

Abends ist diesmal der Mann dann an der Reihe irritiert zu fragen, ob es sowas denn nicht zu kaufen gäbe. Eine etwas stabilere Version aus Holz vielleicht. Während ich meine Stimme noch etwas von Upcycling, Nachhaltigkeit und ökologischen Werten erzählten höre, kreisen meine Gedanken schon weiter: Holz..? Stabiler..? Abends googele ich Laubsägesets. Und  Bauanleitungen. Kann man bestimmt auch mit der Heißklebepistole zusammensetzen, so eine Holzparkgarage.

Mir ist nicht mehr zu helfen, fürchte ich. Oder vielleicht doch? Wartet, ich schaue mal gerade auf Pinterest…

Bastelwütige Grüße,
Eure Tina

Mit diesem Blogtext bewerbe ich mich übrigens für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017! Drückt mir mal die Daumen, das ist meine allerallerallererste Teilnahme an einem Blogaward! 😉 

scoyo-eltern-blog-award-2017-Teilnehmer-siegel

 

 

 

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