Mein Kind „hört einfach nicht“ – über die Kommunikation mit Kleinkindern (1)

Vor etwa fünf Monaten habe ich einen Blogpost über Kommunikation mit Kleinkindern begonnen. Immer mal wieder ein bißchen daran gebastelt, einen neuen Anfang, einen anderen Schwerpunkt. Der Text wurde nie richtig fertig und immer länger, länger, länger. Ich habe einfach keine Struktur hineinbekommen. Dabei ist das eigentlich mein Steckenpferd, die Kommunikation. Und mein Beruf ist es auch.

Vielleicht fällt es mir deshalb immer so unangenehm auf, wie ungenau, vage und unklar häufig mit Kindern kommuniziert wird – und man sich dann beschwert, dass diese „überhaupt nicht hören“.

Tja. Das tun sie in dem Moment meistens auch nicht – und spätestens dann sollte auch der „Sender“ darüber nachdenken, ob er denn gerade auf der richtigen Frequenz funkt. Und die richtige (An-)Sprache gewählt hat. Ob mich jemand „hört“ und das Gehörte dann auch noch so versteht, wie ich es gemeint habe – das hängt eben auch ganz entscheidend von mir selber und nicht nur von meinem Gegenüber ab.

Ich mache beruflich nun seit über elf Jahren „was mit Medien und Kommunikation“ – und wisst ihr, was? Eigentlich gelten für eine erfolgreiche Kommunikation mit kleinen Kindern ganz ähnliche Regeln. Ich habe inzwischen festgestellt, dass man dieses Thema nicht in einen einzigen Blogpost packen kann. Es gibt also ab heute eine neue Kategorie auf Kind | Küche | Chaos, in der ich regelmäßig über Kommunikation mit Kindern schreibe und dabei kleine Exkurse in die Welt der internen und externen Unternehmenskommunikation wage. Es gibt den Originaltext also in kleinen, verträglichen Häppchen –  und damit sind wir auch schon beim ersten Thema.

In der Kürze liegt die Würze

Das erste, was wohl jeder Volontär in einer PR-Agentur lernt, ist die oberste goldene Regel: KISS. (Nein, das bezieht sich nicht auf die nächste Weihnachtsfeier. Obwohl… 🤔) 😉
Es steht für Keep It Short and Simple – und ist tatsächlich einer der wichtigsten Ratschläge, die ich bisher bekommen habe. Meine erste Chefin hat immer gesagt, dass man ein Thema einfach noch nicht gut genug verstanden habe, wenn man in einem Text dazu nicht in der Lage ist, sich kurz zu fassen. Da ist meistens etwas Wahres dran.

Nun ist man ja aber im Alltag mit Kindern nicht in der Lage, jede Aussage vorher detailliert zu planen und zweimal zu überarbeiten. Glücklicherweise. Es lohnt sich aber, sich ab und an einmal bewusst selbst zuzuhören, wenn man mit dem Kind redet. Wir alle lieben Bandwurmsätze – leider können gerade kleine Kinder (und ehrlicherweise NICHT NUR kleine Kinder…) komplizierte Satzkonstruktionen nicht gut erfassen und „schalten irgendwann einfach ab“. Also: versucht mit Kleinkindern in möglichst kurzen Sätzen zu sprechen. Das ist ein total gängiger Ratschlag, der voll in die Kategorie fällt „eigentlich wissen es fast alle, aber kaum einer setzt es um“ – und genau deshalb fange ich damit heute die neue Blogreihe an. 😉

Man betont in kurzen Sätzen automatisch die für die Aussage wichtigsten Wörter. Bei längeren Sätzen ist man selbst so mit der komplexen Satzkonstruktiv beschäftigt, dass die Betonung meistens hintenüberfällt. Kein Wunder, man möchte den Satz ja genauso grammatikalisch richtig beenden, wie man ihn begonnen hat – das fordert das Gehirn während des Sprechens schon ausreichend.

Längere Erklärungen gegenüber Kindern sind gut gemeint – ich beobachte häufig Eltern, die ihren Kleinkindern ganz liebevoll zugewandt eine Frikadelle ans Ohr quasseln. 😉 Inhaltlich gehen dabei aber viele Teile der Botschaft verloren, das sollte man sich bewusst machen.

Natürlich gibt es aber auch Kommunikationssituationen, in denen die Inhalte sekundär oder sogar unwichtig sind, und es ausschließlich um das vermittelte Gefühl geht. Das Trösten ist beispielsweise so ein Fall: wenn man beruhigend auf ein Kind einspricht, das sich gerade wehgetan hat, ist es eigentlich fast irrelevant was man sagt. Der Tonfall, die Zuwendung, das in den Arm nehmen, auf die schmerzende Stelle pusten sind in dem Fall die wesentlichen Aspekte der Kommunikation. Das heißt jetzt nicht unbedingt, dass ihr während des Tröstens auch ein Kochrezept zitieren könntet – es soll nur zeigen, dass der Inhalt in der Kommunikation mit kleinen Kindern nicht in jeder Situation Priorität hat.

Aber zurück zur Erklärungsdauer: Wie lange darf also eine Erläuterung dauern, wenn mir vor allem die Vermittlung des Inhaltes wichtig ist? Es gibt leider keine Faustregel, wie lange man in einem bestimmten Alter aufmerksam zuhören kann. Das ist sehr individuell und hängt bei Kindern wie Erwachsenen mit der jeweiligen Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitsspanne zusammen.

Generell gilt: Ihr könnt solange reden, wie ihr die Aufmerksamkeit eures kleinen Zuhörers habt! Bei Präsentationen wird dem Redner immer geraten, das Publikum genau im Blick zu behalten – erste Anzeichen von Langeweile  deuten darauf hin, dass man die Geduld überstrapaziert. Oder man hat halt einfach ein echt langweiliges Thema ausgesucht… 😉 Achtet darauf, wie sich euer Kind verhält, wenn ihr mit ihm sprecht: sieht es euch noch an? Oder beobachtet es die Nachbarskatze vorm Fenster? Versucht es parallel seinen Schuh auszuziehen oder das Playmobil-Männchen auf ein Pferd zu setzen? (Blickkontakt ist enorm wichtig, dazu werde ich aber noch einmal einen eigenen Post schreiben.)

Ich habe für mich auch eine ganz gute Orientierung durch das Vorlesen gefunden: wieviele Sätze kann ich auf einer Seite/zu einem Bild vorlesen, ohne das der Mini unruhig wird und weiterblättern möchte? Danach richte ich mich grob, wenn ich ihm etwas erkläre.

Ich freue mich schon sehr darauf, weitere Beiträge für diese Kategorie zu schreiben und hoffe, das ihr das Thema auch spannend findet. Habt ihr in Bezug auf Kommunikation noch Aspekte, die euch besonders interessieren? Ich freue mich über Feedback und Anregungen für die folgenden Posts!

Liebe Grüße,
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5 Kommentare zu „Mein Kind „hört einfach nicht“ – über die Kommunikation mit Kleinkindern (1)

  1. Tina, du hast vollkommen recht. Ich erwisch mich selbst so oft dabei, dass ich beim Großen (der gerade 2 geworden ist) denke: Mann, das muss er doch verstehen. 2 Effekte finde ich noch faszinierend und wichtig, vielleicht greifst du die ja später auch noch auf.
    1. Halo-Effekt = Man merkt sich das zuerst und zuletzt Gehörte. An den Kram dazwischen erinnert man sich eher nicht so. Unser kleiner Papagei plappert zB immer den hinteren Satzteil nach. Da ist es ganz praktisch wenn das der Teil mit der wesentlichen Info ist:-)
    2. Das Gehirn von kleinen Kindern kann mit dem Wort NICHT noch nichts anfangen und filtert es als unwesentlich für die Borschaft heraus. Aus „Wirf das nicht runter!“ wird für das Kind „Wirf das runter! Und schon haben wir die Bescherung und wundern uns darüber dass das Knd auch noch zufrieden mit seinem vermeintlichen Ungehorsam ist…
    Ich freu mich auf weitere Posts zum Thema! Liebe Grüße, Christina 😘

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  2. Toller Beitrag! Kommunikation mit einem Kleinkind ist nicht immer einfach. Das habe ich heute mal wieder feststellen müssen. Die kurze Satz-Regel ist wirklich Goldwert, wenn man sich daran hält 😬😬
    Bin auf weitere Beiträge dieser Kategorie gespannt.

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