Das ewige Lied vom Schlafen

…und, schläft er schon durch…? Mit wohl keiner anderen Frage kann man meinen Puls schneller in die Höhe treiben. 😉 Schlafen ist DAS Elternthema schlechthin. Nicht umsonst gibt es dazu unzählige Ratgeber, denn Massen von übernächtigten Eltern lechzen nach dem perfekten, effektiven Ein- und Durchschlaftipp.

Ich bin da keine Ausnahme, denn auch unser Sohn schläft eher schlecht. Oder sollte ich „schlief“ schreiben? Denn eigentlich ist unsere Schlafsituation in den letzten Wochen sehr viel besser geworden. Warum? Das erkläre ich später, versprochen. Ich fange am besten erstmal vorne an:



„Unsere“ Schlafgeschichte

Der Mini hatte nach seiner Geburt im April 2015 schnell einen sehr elternfreundlichen Schlafrythmus. Nachts schlief er prima mit relativ wenigen, und eher kurzen Stillpausen in seinem Babybay direkt neben mir. Er schien die Unterbrechungen nervig zu finden und wollte so schnell wie möglich wieder schlafen. Wickeln nach dem Stillen hat er mit genervtem Schnauben kommentiert oder ist gleich dabei schon wieder eingeschlafen.

Tagesüber schlafen war dagegen schon immer schwierig – es war ja alles so spannend! Nur manchmal, auf Mamas oder Papas Arm, in der Trage oder im Kinderwagen da fielen ihm dann doch die Augen zu, weil die Müdigkeit zu groß wurde. An vielen Tagen lief bei uns im Sommer 2015 tagsüber – bei 34 Grad Außentemperatur – der Fön, einfach weil er damit besser eingeschlafen ist. Ein bisschen verrückt – aber wenn es hilft!?

Der Mini wurde älter, der Tagschlaf insgesamt regelmäßiger und wir auch deutlich eingespielter. Und dann passierte es. Die Nächte wurden katastrophal. Mein zuverlässiges kleines Murmeltier wurde mit etwa zehn Monaten zum Hamster.
Unfassbar süß, aber halt nachtaktiv.

Und das hieß für uns: stündlich bis zweistündlich aufwachen. Ich kann euch sagen, das geht nach ein paar Wochen wirklich an die Substanz. Die Unterbrechungen waren nie lang, aber eben häufig – das schlaucht. Anfang 2016 begann also unsere Zombie-Zeit, mit viel Kaffee, unendlich tiefen Augenringen und spinnenfadendünnen Nerven.



Wir haben alles ausprobiert. Alles. 

Na gut, nicht ganz alles. Alle unsinnigen Tipps in Richtung „Jedes Kind kann schlafen lernen“ haben wir ignoriert. Aber ansonsten haben wir wirklich nichts ausgelassen. Und wisst ihr was? Nichts davon hat wirklich „gewirkt“.

  • Bei uns im Bett, im eigenen Bett, einer von uns auf einer Matratze neben seinem Bett: er wurde ständig wach.
  • Bücher lesen, Einschlafmusik, Nachtlicht an/aus, Massagen, Baden: er wurde ständig wach.
  • Früher ins Bett, später ins Bett, vorher nochmal an die frische Luft, vorher ruhiges Programm zu Hause: er wurde ständig wach.

Ich habe viele wundervolle Bücher und Texte über Kinderschlaf in dieser Zeit gelesen, die mir sehr weitergeholfen haben. Geborgen Wachsen von Susanne Mierau gehört dazu, der Blog Das gewünschtes Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn von Danielle und Snowqueen, und Schlaf gut, Baby von Nora Imlau ebenso. Wenn ich schreibe, dass diese Texte mir weitergeholfen haben, dann meine ich damit nicht, dass ich darin den ultimativen Schlaftipp gefunden habe – der Mini schlief hinterher exakt genauso unruhig wie vorher. Ich habe aber viele wertvolle Anregungen zu einer geborgenen und liebevollen Schlafumgebung, Einschlafbegleitung und Abendritualen gefunden. Und ich habe eine Menge über Schlaf an sich gelernt.

Diese Bücher haben mir vor allem dabei geholfen, bei manchen Spielplatz- oder Freundeskreis-Gesprächen einfach meine Ohren auf Durchzug zu stellen und manche ungewollten Tipps und anstrengende Fragen einfach geflissentlich zu überhören. 😉



Und dann schlief er auf einmal durch. Fast zumindest.

Und was haben wir jetzt „gemacht“, damit der Mini seit einigen Wochen (etwa mit 23 Monaten) besser schläft?

Nichts.

Gar nichts.

Ja, das stimmt leider. Schlaf ist offenbar nichts, was wir als Eltern ernsthaft beeinflussen können. Kinder schlafen, wie sie schlafen. Die einen sind gute Schläfer und finden nachts leicht von einer Schlafphase in die nächste. Die anderen sind eher unruhige Schläfer und wachen nachts sehr leicht auf. Schlafen kann man nicht lernen – denn es ist kein Entwicklung-Meilenstein (auch wenn „schläft er schon durch?“ á la „läuft er schon?“ das suggeriert), keine Aufgabe oder etwas, das man üben/trainieren könnte.

Durchschlafen ist keine Erziehungsleistung

Ihr fühlt euch schlecht, weil euer Kind nachts andauernd wach wird? Oder schlecht einschläft? Und das nicht nur, weil eure Augenringe jedem Panda Konkurrenz machen? Ihr habt das Gefühl, dass ihr irgendetwas falsch macht? Am Abendritual, beim Umgang mit dem Kind, wenn es nachts wach wird? Das solltet ihr nicht, mit Schlafmangel fühlt man sich schließlich schon mies genug. Durchschlafen ist keine Erziehungsleistung.

Unser Sohn fing vor einigen Wochen einfach an, besser zu schlafen. Einfach so. Ohne dass wir irgendetwas bestimmtes „gemacht“ hätten. Wir haben nichts trainiert, waren nicht „endlich mal konsequent“. Wir haben uns einfach nur den Weg gesucht, wie alle Beteiligten nachts irgendwie am meisten Schlaf bekommen. Ganz pragmatisch und undogmatisch. Wie? Das war jede Nacht irgendwie anders.



Wir waren einfach zu müde und erschöpft, um noch neue Strategien zu diskutieren, konsequent zu sein oder an irgendwelchen vermeintlich vielversprechenden „Schräubchen“ zu drehen. Und wir waren es müde, Dinge auszuprobieren, die nicht funktionieren. Wir waren einfach nur unfassbar müde.

Schlaf ist – leider – nichts, bei dem man ein paar Einstellungen korrigiert, bis es dann endlich „klappt“.

Und warum schläft er jetzt so viel besser?

Tja, keine Ahnung – ich kann es euch nicht sagen. Aber er schläft besser. Vielleicht spielt ja einer der folgenden Punkte eine Rolle? Ich kann es nicht an einem davon festmachen, aber vielleicht hilft diese Liste ja trotzdem weiter.

  • Der Mini hat jetzt eine Wasserflasche an seinem Bett stehen und kann sich nachts bedienen – und tut das auch des öfteren.
  • Seit etwa zwei Monaten sind wir vom Gitterbett auf ein normal großes Bodenbett umgestiegen. Der Mini hat nun mehr Platz und kann auch alleine ins Bett steigen und aufstehen – und findet das ganz toll. Er bleibt nachts aber trotzdem im Bett liegen, meine Bedenken waren da ganz umsonst. Anscheinend reicht ihm in das Wissen aus, jederzeit aufstehen zu können, um sich wohler zu fühlen.
  • Wir achten genau darauf, ob der Mini mittags müde ist oder nicht – oftmals habe ich ihn mittags 45 Minuten lang ins Bett gebracht, bis er schließlich schlief – und abends dann das gleiche Spiel wieder gespielt. Anscheinend braucht unser Sohn einfach weniger Schlaf, als wir glauben.
  • Seit etwa drei Monaten sind alle Zähne da. Ehrlicherweise glaube ich, dass das ein ganz entscheidender Faktor bei uns war.

Er ist irgendwie größer geworden in den letzten Wochen – und damit meine ich nicht die dazugewonnenen Zentimeter oder seinen 2. Geburtstag. Ich glaube, dass er innerlich gewachsen und gereift ist und dass dieser Schritt irgendwie auch zu besserem Schlaf geführt hat.

Liebe müde Eltern-Kollegen, haltet durch. Es wird wirklich besser, versprochen! Und ihr müsst nichts weiter tun als pragmatisch und undogmatisch die unruhigen Schlaf-Monate oder Wochen überstehen. Verschwendet eure Energie nicht mit Erziehung zum Schlafen.  Nutzt diese Energie lieber für euch, zur Erholung. Schmeißt alle Dogmen über Bord und schnappt euch jede Minute Schlaf, die auffindbar ist. Mein Mann und ich haben irgendwann angefangen, uns nachts abzuwechseln – ich bis 3 Uhr, er ab 3 Uhr. So hatten wie beide wenigstens etwas ungestörten Schlaf.

Das habe ich in den letzten zwei Jahren gelernt: wie sagt man so schön? Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Aber es wächst, versprochen.

Alles Liebe,
img_4183

3 Kommentare zu „Das ewige Lied vom Schlafen

  1. Das Kinder nicht durchschlafen kann an allem – oder nichts liegen. Wie du schon geschrieben hast. Auch wir probierten alles aus. Nichts half.
    Zum Geburtstag bekam er ein neues Kissen von seiner Tante, dick und wuchtig. Das legte ich ihm mal in sein Bettchen. Und siehe da – er schlief durch?!?!!
    Rein zufällig oder genau deswegen. Egal. Hauptsache er schläft 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Das hast du aber schön geschrieben. Schlafen hat halt so ne Sache die wirklich bei JEDEM Kind anders ist. Bei meiner Großen hatten wir zum Glück nie große Probleme. Sie war schon immer eine gute Schläferin. Bei unserem jüngsten sieht das jedoch anders aus. Da sind zwar die Nächte relativ entspannt, aber tagsüber fällt es ihm einfach schwer in den Schlaf zu fallen. Da hilft nur kuscheln 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s