Spielplatzmama, [Die]

Spielplatzmama, (Die) – Substantiv, Femininum

Systematik

Klasse: Mensch
Ordnung: Frau
Familie: Mütter
Gattung: Spielplatzmama, (die)

Auftreten und regionale Verbreitung

Die Spielplatzmama (Mater Campus Lusoricus) ist eine spezielle Gattung der Mütter, deren Auftreten in west- und nordeuropäischen Breitengraden insbesondere seit den 1970er Jahren dokumentiert ist. Das männliche Pendant, der Spielplatzpapa, konnte erst in denen vergangenen 15 Jahren beobachtet werden und gilt gemeinhin als sehr scheu. Insbesondere in den Monaten März bis Oktober ist die Spielplatzmama in unseren Breitengraden überdurchschnittlich häufig anzutreffen. Aufgrund der langen Domestikationsgeschichte sind in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Unterarten entstanden, die noch der weiteren Erforschung bedürfen.

Aussehen

Die Spielplatzmama ist auch außerhalb des Spielplatzes eindeutig als solche zu erkennen. Neben ihrem Nachwuchs ist sie üblicherweise mit einer größeren Menge verschiedenfarbigen Kunststoff-Spielzeug zur Formung von Sandgebilden beladen. Darüber hinaus trägt sie meistens eine bis mehrere größere Taschen – je nach Anzahl des mitgeführten Nachwuchses – bei sich, aus der sie eine schier unergründliche Anzahl von Utensilien bei Bedarf hervorholen kann. Die Wirkungsweise dieses Gepäckstücks ist wissenschaftlich noch vollständig unerforscht, aktuelle Studien beschäftigen sich aber bereits mit dem sogenannten „Mary-Poppins-Phänomen“.

Optisch ist die Spielplatzmama kaum klar zu identifizieren –  in Kleidung, Schuhwerk, Frisur und Make Up konnten bisher eine unzählbare Vielfalt an Variationen beobachtet werden. Besonders häufig scheinen jedoch gerade in den Monaten März/April und September/Oktober Spielplatzmamas mit festem Schuhwerk und wasserabweisender Kleidung aufzutreten.

Verhalten

Die Spielplatzmama zeigt einige klassische Verhaltensweisen, die teilweise saisonal bedingt sind. Nach Betreten des Spielplatzes und Einrichtung vor Ort beginnt sie üblicherweise ihren Nachwuchs aus sicherer Entfernung in seinem Tun zu beobachten. Sie scheint dabei auch bei entgegengesetzter Blickrichtung über andere Sinne unerwünschtes Verhalten des Nachwuchses wahrzunehmen zu können. Beim Auftreten in Gruppen übernimmt oft eine Spielplatzmama diese Überwachung der gesamten Nachwuchsgruppe und meldet Auffälligkeiten unmittelbar an die entsprechende Spielplatzmama weiter.

Eine interessante Verhaltensweise bislang ohne wissenschaftliche Erklärung ist der Einsatz von Feuchttüchern. In unregelmäßigen, erratischen Zeitabständen läuft die Spielplatzmama mit einer Feuchttuchpackung hinter ihrem Nachwuchs her und versucht diesen mit meist geringem Erfolg zu reinigen. Aktuell vermutet man dahinter eine Übersprungshandlung.

Im Sommer dagegen sieht man die Spielplatzmama häufig mit Sonnencreme und -hut bewaffnet über den Spielplatz streifen. Ihre Versuche, ihren Nachwuchs einzucremen und ihm den Hut aufzusetzen sind sehr possierlich anzusehen, ebenfalls aber nur selten von Erfolg gekrönt. In den Pausen sucht die Spielplatzmama sich gerne selbst ein sonniges Plätzchen.

Das Sozialverhalten der Spielplatzmama ist stark territorial geprägt und basiert auf einer klaren Gruppenstruktur. In gewohnter Umgebung mit dem eigenen Schwarm um sich ist die Spielplatzmama meist ausgesprochen friedlich. Bekannte andere Spielplatzmamas werden üblicherweise freundlich gegrüßt, manchmal schließt sich sogar ein kurzer Austausch von Smalltalk an. Höchste Zuneigung beweist die Spielplatzmama in der Übergabe der Feuchttuchpackung an eine andere Spielplatzmama.

Dringt ein unbekannter Neuling jedoch in ihr Territorium ein, wird die sie zunächst kritisch-abwartend beschnuppert. Vorsichtig beobachtet die Spielplatzmama die Eindringlingsmama und ihr Verhalten. Die nächsten fünf Minuten sind nun für die Neu-Spielplatzmama entscheidend – es darf weder zu viel noch zu wenig Interaktion mit dem Nachwuchs vorhanden sein. Zeigt sie zu viel Interaktion, wird sie sofort in die Untergattung der Helikopterspielplatzmama eingeordnet, zu wenig Interaktion lässt sogleich auf armen, vernachlässigten Nachwuchs schließen – beide Untergattungen werden von der Spielplatzmama nach Möglichkeit gemieden.

Nahrungsaufnahme und Brutpflege

Die Spielplatzmama selbst sieht man in ihrer natürlichen Umgebung im Normalfall keine Nahrung aufnehmen. Einzige Ausnahme stellt hier flüssige Nahrung in wiederverwendbaren Warmhaltebechern dar. Für den Nachwuchs hat die Spielplatzmama jedoch meist ein ganzes Arsenal an Lebensmitteln in ihrer unergründlichen Tasche dabei.

Klassisches Futtermittel der Spielplatzmama ist der kleingeschnittene Apfel, eingetuppert versteht sich. Darüber hinaus konnten wir Dinkelkekse, Rosinenbrötchen, salzfreie Vollkorn-Salzbrezeln verzeichnen. Im Gegensatz zum Muttertier vertilgt der Nachwuchs dagegen auf dem Spielplatz Mengen, die in keinem Verhältnis zur Körpergröße stehen.

Gesang

Die Spielplatzmama verfügt über ein breites Spektrum an verschiedenen Lautäußerungen. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick über die häufigsten geben:

„Nein“, „Nahein“, „Neieeeen“, „Neiiiin“, „Nein!!!“ – es werden hier allerlei Betonungsmöglichkeiten verzeichnet, die genaue Bedeutung ist jedoch unklar. Man vermutet, dass dieser spezielle und variantenreiche Gesang dazu da ist, kurz Blickkontakt zum Nachwuchs herzustellen, bevor dieser unberührt mit seiner vorherigen Tätigkeit fortfährt.

„Hör‘ sofort auf, sonst gehen wir nach Hause!!!“ – diese Lautäußerung leitet offenbar das Verlassen des Spielplatzes ein und wird üblicherweise von heftigem Protest des Nachwuchses begleitet.

„NICHT mit Sand werfen!!“ – anscheinend Aufforderung an den Nachwuchs, die anderen Anwesenden großzügig mit Spielplatzsand zu bewerfen.

Historie

Während in den vergangenen Jahrzehnten keine weitere evolutionäre Entwicklung der Spielplatzmama zu erkennen war, sind nun in den vergangenen Jahren einige neue Arten hinzugekommen, die weiterer Beobachtung bedürfen. Dazu gehört beispielsweise die neue Unterart der  Indoorspielplatzmama, aber auch die Spielgruppenmama sowie die Kinderturnenmama. Inwiefern sich Überschneidungen in Verhaltensweisen und Auftreten ergeben, bleibt abzuwarten.

Disclaimer:

Ja, ich bin auch eine Spielplatzmama.
Mit Feuchttüchern.
Und rotem Lippenstift.
Ja, mein Latein ist unterirdisch und ich habe mir den Begriff einfach ausgedacht, ebenso wie die Systematik. Biologie war auch nicht mein Lieblingsfach.
Ja, ich mag selbstironische Texte und kann ganz gut über mich selbst schmunzeln.
Eine Fähigkeit, die ich übrigens an anderen auch sehr schätze… 😉

Habt ihr ein Instagram-Profil? Prima, dann zeigt mir doch dort eure schönsten Spielplatzszenen/Selfies/Anekdoten! Markiert eure Bilder mit #spielplatzmama und @kindkuechechaos, am Ende der Woche zeige ich dann eine Collage mit den schönsten Bildern auf Instagram.

Bis bald auf dem Spielplatz,
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4 Kommentare zu „Spielplatzmama, [Die]

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