Lange Autofahrten mit Kleinkind – ein paar Survival-Tipps

Der Endgegner aller Eltern mit einem Kleinkind: Autofahrten, die länger als 45 Minuten dauern. Selbst das autobegeistertste Kind hat dann irgendwann die Nase voll und sorgt dafür, dass die mitfahrenden Erwachsenen sie auch bald voll haben. Da beginnt der Urlaub doch gleich ganz entspannt und mit dem Lärmpegel eines Flughafenvorfeldes…

Was aber tun, wenn man gerne an der Nordsee Urlaub macht und leider nicht in Umkreis einer Fahrstunde lebt? Strategische Planung ist alles! Hier also unsere erprobten Tipps für längere Fahrten mit dem fast 2-jährigen Mini.

1. Die Fahrtzeit planen

Bei mehrstündigen Autofahrten ist es immer gut, wenn man eine Weile ein friedlich schlafendes Kind genießen kann – und meistens schlafen Kinder im Auto ja gerne und gut. Wir versuchen deshalb immer, eine Schlafzeit des Mini „mitzunehmen“ – egal ob wir frühmorgens, über mittag oder in die Nacht hineinfahren. An die Nordsee brechen wir meistens früh morgens auf, so dass der Mini aus dem Bett nur schnell angezogen und in den Autositz gepackt wird und dann zumindest  – meistens – noch ein Stündchen weiterschläft.

2. Strecke ansehen, Pausen planen

Soweit, so unspektakulär – das machen wohl alle. Ich kann euch mit einem sehr bewegungsfreudigen Kleinkind nur den Rat geben, euch Pausenorte abseits der üblichen Autobahn-Raststätten zu suchen. Die sind meistens voll, relativ beengt und es fahren natürlich viele Autos und LKW über den Parkplatz. Eine entspannte Pause, in der das Kind sich in Ruhe austoben kann, ist da kaum möglich. Und schön sind die Raststätten ja meistens auch nicht gerade.

Schaut doch mal, was so an eurer Strecke liegt. Ein kleiner Ort mit einem Spielplatz, oder vielleicht ein Ikea, in dem man einen kurzen Stopp einlegen kann? Ein Indoor-Spielplatz? Alles mit viel Platz zum Laufen und Spielen ist prima und wird auch für euch für eine entspanntere Pause sorgen, als wenn man alle 10 Sekunden Angst hat, dass das Kind auf den Raststätten-Parkplatz rennt. Wenn man in der Pause alle 30 Sekunden „Nein“ sagen muss, ist der Knatsch ja auch vorprogrammiert.

Unser Geheimtipp für Trips in Richtung Nordsee ist übrigens der Regional-Flughafen Münster-Osnabrück. Es gibt einen Cafetiero für ein schönes Frühstück und guten Kaffee und viel viel viel Platz zum Rennen für den Mini. Meistens ist dort auch wirklich nicht viel Betrieb – mit einem großen Flughafen überhaupt nicht zu vergleichen! – und es gibt bei schönem Wetter auch einen riesigen Spielplatz.

3. Euer Reise-Soundtrack

Geschlafen, Pause gemacht – jetzt sitzt ihr wieder im Auto. Und nun? Fangen wir mal mit der musikalischen Untermalung eures kleinen Roadtrips an. Wenn ihr zu kinderlosen Zeiten eine sorgfältig ausgewählten Urlaubsmix im Auto gehört habt, dann kommt jetzt eine bittere Wahrheit. Beim Autofahren mit Kleinkind bestimmt leider nicht der die Musik, der sie bestellt (na, wo komme ich wohl her…?) – sondern der kleinste Mitfahrer. Ein kleines Repertoire an Kinderlieder-CDs und einigen beliebten Hörspielen bringen schon einmal etwas Zeit herum. Allerdings auch nicht ewig: die Frage ist dann immer, wer eher genug hat von Rommel-Bommel, dem Regenbogenfisch oder Leo Lausemaus – das Kind oder ihr…? 😉

Es hebt übrigens die Stimmung aller Beteiligten enorm, wenn man einfach mal laut zusammen ein bekanntes Lied schmettert. Hört einen ja keiner – macht aber Spaß und richtig gute Laune!

4. Das Beste am Verreisen: die Autosnacks

Ihr müsst jetzt nochmal ganz tapfer sein. Auf der Fahrt wird im Auto gegessen werden. Und gekrümelt. Viel gekrümelt. Ich bin ein großer Fan davon, die Hauptmahlzeiten „vernünftig“ zu essen – also dafür eine Pause zu machen. Wir halten also für Frühstück, Mittag- oder Abendessen an und essen in Ruhe an einem Tisch. Das finde ich deutlich entspannter als im Auto zu versuchen, dem Kleinkind ein Brot oder gar ein Müsli oder etwas Warmes zu servieren.

Zwischendurch darf es dann aber ruhig im Auto etwas leckeres sein. Was essen eure Kinder besonders gerne? Ein bestimmtes Obst? Fruchtquetschies? Kekse? Ich finde, das eine Autofahrt eine Ausnahmesituation ist und es dann auch einmal Ausnahmeessen geben darf. Ihr fahrt ja nicht jeden Tag mehrere Stunden. Stellt eine liebevolle Snackbox mit ganz viel Lieblingsessen zusammen. Es müssen aber nicht immer Gummibärchen & Co sein: Auch Muffins, Madeleines, Waffeln  oder Mini-Pfannkuchen lassen sich prima mitnehmen, im Auto essen und für Kinder natürlich auch mit etwas weniger Zucker zubereiten.

5. Unterhaltung im Auto: Überraschung, Überraschung!

Mit größeren Kindern kann man im Auto sicherlich schon die bekannten Reisespiele spielen und bestimmte Autos suchen oder ähnliches. Bei Pinterest gibt es dazu übrigens auch hübsche Ideen und Vorlagen! Mit noch nicht ganz zwei Jahren ist der Mini dazu einfach noch zu klein. Es muss also etwas anderes her. Ich habe bisher gute Erfahrungen damit gemacht, etwas kleines, neues für die Autofahrt zu besorgen – das Kennenlernen beschäftigt ihn dann erst einmal eine ganze Weile.

Es muss natürlich handlich sein und am besten auch etwas „machen“ – tja, und da sind wir dann ganz schnell bei den Tut Tut Flitzern gelandet. Ich bin ganz ehrlich: ich finde die Dinger ziemlich nervig. Aber der Mini liebt sie und kann sich im Auto wunderbar damit beschäftigen. Glücklicherweise ist die Batterie meistens relativ schnell leer, der Nerv-Faktor nach der Autofahrt also begrenzt.

Ich mag eigentlich kein Spielzeug, das singt und Geräusche macht. (Und die Texte! Ernsthaft, hat das der Google Translator übersetzt, ohne das noch mal einer draufgeschaut hat?)

Aber: der Wurm muss ja bekanntermaßen dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Deshalb haben wir jetzt ein Tut Tut Taxi. 🙂

6. Bücher, Bücher, Bücher

Bücher gehen natürlich auch immer. Auch im Auto. Wenn euch allerdings wie mir beim Lesen oder Vorlesen im Auto übel wird, solltet ihr Bücher auswählen, die euer Kind alleine ansehen kann. Prima sind Sound-Bücher, Bücher mit Klappen oder vielleicht bei etwas größeren Kindern auch schon ein Tip Toi-Buch.

Aus Erfahrung kann ich nur von Büchern mit Fahrzeug-Geräuschen abraten – es sei denn, ihr wollt alle paar Minuten kurz wegen der Polizei-Sirene schuldbewusst zusammenzucken… 😉

7. Und was noch..?

Einfache, feste Puzzle mit Holzboden oder festem Pappboden kann man im Auto durchaus auch gut machen. Allerdings geht das am besten, wenn ihr hinten neben dem Kind sitzt und die einzelnen Puzzleteile anreichen könnt. Ansonsten verschwindet sicherlich das ein oder andere Teil…

Ein Magnetspiel ist auch eine schöne Beschäftigung im Auto und lenkt für eine Weile ab. Ein Verschluss-Brett nach Montessori übrigens auch.

8. Wenn gar nichts mehr geht

Der Worst-Case – das Kind ist außer sich, hat einfach überhaupt keinen Bock mehr auf gar nichts, es flogen schon Spielsachen durchs Auto und die nächste Abfahrt ist erst in 20 km? Ich bin dann pragmatisch: Maus & Elefant- Clips liebt der Mini und es hat einen besonderen Reiz, weil er es nur „asaweiiii“ (ausnahmsweise) schauen darf. Und diese Situation schreit doch nach Ausnahme, oder?

Am Urlaubsort könnt ihr wieder 100% pädagogisch wertvoll sein, aber das Auto ist echt ein schlechter Ort um Prinzipien zu reiten. Finde ich. 😉

9.Wohlfühlen im Autositz

Eine wichtige Sache habe ich zu Beginn noch vergessen – das Reiseoutfit eures Sprösslings. Bitte denkt daran, dass im Auto bequem vor chic geht. Schließlich ist das lange Sitzen in einem Kinderautositz mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit schon ungemütlich genug, da sollte die Kleidung wenigsten richtig kuschelig sein.

Für mich heisst das: Auch im Sommer trägt der Mini lange, aber dünne Sachen. Ich selbst kann es nämlich gar nicht haben, wenn der Autositz an Armen oder Beinen klebt, deshalb achte ich bei ihm ebenfalls darauf. Als Hose wähle ich meistens ein Exemplar mit ganz weichem Gummibund, wenn der Mini so lange sitzt. Schuhe werden im Auto ausgezogen und gegen warme Socken ausgetauscht, eine Kuschel-Wolldecke hält ihn bei einem kleinen Schläfchen zusätzlich warm.

Das liebste Kuscheltier sollte natürlich auch nicht fehlen!

10. Last, but not least: Relax, take it easy…

Macht euch keinen Stress! Ich weiß, leichter gesagt, als getan. Aber besser eine Stunde später und mit einer Pause mehr entspannt ankommen als  völlig entnervt pünktlich am Urlaubsort eintreffen.

Versucht auf die Fahrt eine andere Perspektive zu bekommen – der Urlaub beginnt doch eigentlich schon, wenn ihr ins Auto steigt. Macht es euch gemeinsam schön und freut euch auf erholsame Urlaubstage mit euren Lieben.

Gute Fahrt wünschte euch
Tina

3 Kommentare zu „Lange Autofahrten mit Kleinkind – ein paar Survival-Tipps

  1. Am besten ist es natürlich, das Kind schläft im Auto. Unser Sohn allerdings wollte auf dem Weg an die Nordsee absolut nicht schlafen. Hellwach die ganze 7 Stunden Fahrt über. Wir spielen immer Ich sehe was, das du nicht siehst.
    LG Anke

    Gefällt 1 Person

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