Warum viel Spielzeug nicht viel Spaß bedeutet – und was das mit meiner Ordnungsliebe und Montessori zu tun hat

Ich bin ja generell ein großer Ordnungs-Fan. Das geht so weit, dass ich wirklich sehr platt sein muss, um abends nicht noch eine schnelle Aufräumen-Runde durch Wohnzimmer und Küche zu drehen, bevor ich mich auf die Couch fallen lasse. Ich kann einfach nicht entspannen, wenn um mich herum noch das Chaos herrscht. Ein bißchen monkig? Ja, vermutlich.

Seit der Mini so richtig mobil ist, wird meine Ordnungsliebe auf eine harte Probe gestellt, denn er stürzt sich natürlich mit Begeisterung auf alles, was er findet, macht Schubladen und Schränke auf und spielt mit allem, was er in die Finger bekommt. Gut so! Während das Ausräumen schon ganz prima klappt, fangen wir mit dem Wieder-Einräumen allerdings gerade erst an…

Was fange ich nun also an – mit meiner Ordnungsliebe auf der einen Seite und dem Spielzeug-Chaos auf der anderen? Die Antwort ist: ich begrenze das Angebot. Das klingt jetzt erstmal ein bißchen Rabenmutter-mäßig, das gebe ich zu. Mama mag es ordentlich, deshalb gibt es weniger Spielzeug fürs Kind?

Warum ein begrenztes Angebot auch den Mini zufriedener macht und meiner Ordnungsliebe Rechnung trägt, erzähle ich in diesem Post. Mir ist gerade im Urlaub wieder aufgefallen, mit wie wenig herkömmlichen Spielzeug unser Sohn eigentlich auskommt und sich wunderbar beschäftigen kann.

Auswählen, Aussortieren, Austauschen – das sind meine drei wichtigsten Schlagwörter, wenn es um Minis Spielzeug-Sortiment geht.

Auswählen – das richtige Angebot finden

Die Auswahl von Spielzeug für das eigene Kind: man wird wirklich erschlagen von allen Angeboten. Ich bin selbst als Erwachsener in einem großen Spielwarenladen überfordert von den unzähligen Möglichkeiten. Was ist das Richtige? Womit wird er sich gerne beschäftigen?

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich von den Altersangaben frei machen konnte, die auf vielen Spielzeugen angebracht sind. Was für ein Quatsch eigentlich! Richtig gutes Spielzeug „wächst mit“ – finde ich. Mit wachsendem Alter kann er Mini es dann einfach anders einsetzen und für andere Dinge nutzen. Diese Spielzeuge begleiten einen dann viele Jahre und es lohnt sich dabei in eine gute Qualität und hervorragende Materialien zu investieren. Weniger ist mehr – wir kaufen lieber ein wirklich schönes Teil, an dem man dann lange Freude hat.

Spielzeuge, die nur eine einzige Möglichkeit lassen, sich mit ihnen zu beschäftigen, werden dem Mini schnell langweilig. Das habe ich nun schon bei so vielen Stücken beobachtet und daraus für mich gelernt, dass es sich einfach nicht lohnt dafür viel Geld auszugeben.

Kurz zusammengefasst: Ich wähle bevorzugt Spielzeug aus, das vielseitig und kreativ einsetzbar ist, eine gute Qualität hat und entsprechend lange hält. 

Aussortieren – Übersicht ist Trumpf

Ich habe ja schon an einigen Stellen erzählt, dass ich mich mit Montessori-Pädagogik beschäftige und unseren Familienalltag zunehmen daran orientiere. Deshalb beobachte ich den Mini nun noch genauer beim Spielen. Nicht nur, weil er einfach unfassbar süß ist, sondern auch um zu sehen, womit er sich gerade beschäftigt und was ihn interessiert. In der Montessori-Pädagogik spricht man davon, dass das Kind „sensible Phasen“ für die Entwicklung von bestimmten Fähigkeiten hat. Durch genaue Beobachtung kann man dem Kind seiner Entwicklung entsprechendes Material anbieten. Das ganze fasst Maria Montessori unter dem Leitsatz „Follow the Child – folge dem Kind“ zusammen.

Entsprechend räume ich dann Spielzeug weg und sortiere aus, wenn es seinen Interessen im Moment nicht entspricht. So ging es lange mit Puzzeln: wir haben schon vor einer Weile einige geschenkt bekommen oder von Freunden mit älteren Kindern geerbt. Das Ergebnis war ziemliches Chaos – der Mini hat sich überhaupt nicht für das Puzzeln interessiert und einfach nur wild alle Teile auf den Boden geworfen.

Ich habe also alle Puzzle erst einmal weggeräumt, denn meine Lust jeden Abend beim Aufräumen gefühlte 50 Puzzle wieder zusammenzusetzen, hielt sich doch in engen Grenzen. Es war noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür, sie entsprachen einfach noch nicht Minis Interessen.

Und in dem ganzen Puzzle-Chaos gingen dann andere Spielzeuge vollkommen unter. Ich habe generell beobachtet, dass der Mini ab einem bestimmten Überangebot gar nicht mehr zum Spielen kommt. Er ist dann so damit beschäftigt, seine Kisten, Körbe und Schubladen auszuräumen, dass er sich mit den einzelnen Spielsachen überhaupt nicht beschäftigt.

Weniger Spielzeug bedeutet auch: mehr Platz im Kinderzimmer zum Toben, verstecken und kuscheln. In Minis Kinderzimmer gibt es statt vielen Regalen lieber einen Sitzsack, ein Spielzelt und einen Rutschhund und möglichst viel freie Fläche. Dass ich am liebsten den Sitzsack mag, muss ich nicht erwähnen, oder…? 😉

Kurz zusammengefasst: Der Mini hat eine begrenzte Auswahl an Spielmaterial zur Verfügung. Sobald es anfängt chaotisch zu werden, sortiere ich die Teile aus, die zur diesem Zeitpunkt nicht seinen Interessen entsprechen.

Austauschen – das richtige Angebot zum richtigen Zeitpunkt

Und was mache ich dann mit den aussortierten Spielsachen? Alle Puzzle sind zunächst in einer Kiste in den Keller gewandert und haben dort auf ihren Einsatz gewartet. Ansonsten haben wir außerhalb von Minis Spielbereich eine Kommode mit „inaktiven“ Spielsachen, die ich vorübergehend aus dem Verkehr gezogen habe. Auf diese Art und Weise können wir  – etwa einmal pro Woche – das Spielzeug- und Materialangebot leicht verändern.

In diese Kommode wanderte dann ein leichtes Anfänger-Puzzle, dass ich dem Mini immer mal wieder angeboten habe. Bis er es mir eines Tages aus der Hand riss und alle Puzzleteile an die richtige Stelle einsetzte. Hallo Puzzle-Phase! 😉

Daraufhin haben wir dann auch die Kellerkiste wieder ans Tageslicht befördert und haben jetzt eine große Puzzlevielfalt, die wir immer mal wieder verändern. Einige Sachen wandern dann in die Kommode, andere hole ich wieder hervor. Alles ist im Fluss, könnte man sagen. So wird es nicht langweilig und wir können eine Vielfalt anbieten – nur eben nicht alles auf einmal.

(Ja, ich habe den Tisch nicht fürs Foto abgewischt – hey, das ist schließlich Kunst!)

Mengenmäßig orientiere ich mich ehrlich gesagt einfach an den vorhandenen Expedit-Regalfächern im Kinderzimmer. Pro Fach biete ich eine Spielzeugart bzw. ein Tablett mit Arbeitsmaterial an. Alles andere macht Pause in der Kommode im Flur. 😉 So ist das Zimmer abends auch schnell wieder aufgeräumt. Gleiches gilt für das Wohnzimmer, nur dass das Regal dort etwas kleiner ist. Dafür steht dort noch die Spielküche mit dem dazugehörigen Material. Über die Regal-Ordnung im Kinderzimmer, die wir auch aus dem Montessori-Prinzipien abgeleitet haben, werde ich in den nächsten Wochen nochmal einen separaten Post schreiben.

Kurz zusammengefasst: Große Vielfalt und begrenztes Angebot schließen sich nicht aus – es ist nicht notwendig, alles gleichzeitig anzubieten, regelmäßiger Austausch belebt die Spielfreude!

Wie handhabt ihr das Spielzeugangebot? Wie sorgt ihr für Ordnung in den Spielsachen? Ich bin gespannt, schreibt doch mal in die Kommentare, was da für euch wichtig ist!

Liebe Grüße,
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