Porzellangeschirr fürs Kleinkind – sind wir ein bißchen irre?

Als der Brei so langsam dem normalen Familienessen weichen musste, haben wir natürlich hübsches Kindergeschirr für den Mini angeschafft. Wirklich niedlich, bunt, mit hübschen Motiven. Und natürlich aus Plastik. Natürlich?



Irgendwie erschien es mir vor etwa einem Jahr als der logische Weg: alle Kinder bekommen buntes Geschirr aus Kunststoff, das geht wenigstens nicht kaputt, wenn es hinunterfällt. Und es gibt ja wirklich hübsches Kindergeschirr.

Als die Teller fliegen lernten

Dass der Mini ganz begeistert und unkompliziert vom Brei auf ganz normales Familienessen umstieg, habe ich ja hier schonmal geschrieben. Was ihn mindestens genauso faszinierte war der kunterbunte Teller vor ihm. Ich kann ehrlicherweise nicht mehr sagen, wie oft er seinen Teller abgeräumt hat, um das Bild auf dem Teller sehen oder gleich den ganzen Teller kreiseln oder vom Tisch runterwerfen zu können. Mich hat diese ständige Sauerei zunehmend genervt und ich habe nach einer Lösung gesucht. Eine Freundin meinte dann einmal scherzhaft zu mir „Gib‘ ihm doch einen Porzellanteller, den wirft er dann nur einmal hinunter!“ – und das hat mich nachdenklich gemacht.



Der Mini hatte seinen Teller als Spielzeug wahrgenommen – und das nicht ganz zu unrecht. Schließlich war er ja genauso bunt wie anderes Spielzeug und er sah ganz anders aus als die Teller, die wir benutzten – aus Kindersicht betrachtet, ist seine Schlussfolgerung also durchaus nachvollziehbar.



Kind wirft Teller = gebt ihm echtes Geschirr?

Ich habe daraufhin ein bißchen recherchiert und habe diesen wunderbaren Artikel von Eltern vom Mars und diesen hier vom Blog Gewünschtestes Wunschkind gefunden und war sofort überzeugt: bei uns gibt es ab sofort Porzellangeschirr für den Mini.



Nun hänge ich allerdings durchaus an unserem Geschirr, denn wir haben es von vielen verschiedenen Gästen zur Hochzeit geschenkt bekommen. Außerdem sind die normalen Teller für den Mini dann doch ein kleines bißchen zu groß und damit zu unhandlich.



Es musste also etwas anderes her. Fündig wurden wir bei Ikea, wo wir für den Mini Dessertteller und –schalen sowie tiefe Teller gekauft haben. Sie sind etwas kleiner als normales Geschirr und lassen sich somit gut handhaben, der leicht erhöhte Rand bei den Tellern sorgt dafür, dass die noch unsichere Arbeit mit Löffel oder Gabel etwas vereinfacht und nicht so leicht Essen über den Tellerrand hinaus befördert wird. Diese handlichen Gläser sind prima für kleine Hände geeignet. Das Geschirr ist hübsch, schlicht und sieht unserem relativ ähnlich.



Porzellangeschirr: Für uns die beste Lösung

Inzwischen benutzt unser kleiner Sohn seit über einem halben Jahr Porzellangeschirr sowie normale Gläser und es ist erst ein einziger Teller kaputt gegangen. Warum? Weil er mit den zerbrechlichen Tellern von vornherein viel vorsichtiger umgeht als mit Kunststofftellern.




Weil er sie weniger als Spielzeug wahrnimmt und sich viel mehr auf das Essen konzentriert. Ganz praktisch gesehen, hat echtes Geschirr aber noch einen weiteren Vorteil – es ist schwerer als sein Pendant aus Plastik. Der Teller rutscht nicht sofort weg, das Glas fällt nicht sofort um, wenn man einmal unbedacht dagegen stößt.



„Das kannst du nicht“ und „Dazu bist du noch zu klein“ – das sind Sätze, die ich im Umgang mit meinem Sohn gerne möglichst vermeiden möchte. Ich möchte dem Mini Dinge zutrauen und ihm die Chance geben, an Herausforderungen zu wachsen. Und ich finde es richtig, ihm früh zu vermitteln, dass Geschirr zerbrechlich ist. Wenn alles immer heil bleibt, wie soll dann das Verständnis wachsen, dass man mit manchen Dingen vorsichtiger umgehen muss?



Und wenn man einmal ehrlich ist: wir benutzen ja auch keine Kunststoffteller und -becher. Weil wir sie hässlich finden, aber vor allem weil auch die Haptik unangenehm ist. Ein guter Rotwein schmeckt aus einem schönen Weinglas besser als aus einem Plastikbecher. Ein schöner Teller steigert die Freude an leckerem Essen. Warum sollte das einem Kind anders gehen? Und den Mini macht es riesig stolz, dass er mit den gleichen Utensilien isst, wie wir auch.



Alles Liebe,
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4 Kommentare zu „Porzellangeschirr fürs Kleinkind – sind wir ein bißchen irre?

  1. Liebe Tina,

    ich habe vor einiger Zeit diesen Bericht mal gelesen und dachte mir ‚ach, bis unser Baby mit uns isst, dauert es ja eh noch lange.‘
    Und jetzt isst er seit ca. einem Monat mittags mit uns. Am Anfang habe ich Kindergeschirr aus Melamin für den kleinen genommen aber die Fliegen hier genau so gut und gehen nach mehrmaligen werfen auch kaputt.
    Ich habe immer wieder an deinen Artikel gedacht und heute endlich mal rausgesucht und dachte mir ’so machen wir es jetzt auch!‘
    Ich bin gespannt wie viele Teller hier fliegen werden aber da es altes, aussortiertes Geschirr ist wäre der Verlust nicht all zu schlimm.

    Ich finde deinen Blog wirklich toll, mach weiter so!! 🙂

    Liebe Grüße
    Regina und S. 🙂

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  2. Amen… Nein, im Ernst: genauso handhabe bzw. sehe ich es mit anderen Kindersachen wie z.B. Kinderbetten im Feuerwehrauto-Stil…
    Meine Arbeitskollegin regt sich regelmäßig darüber auf, dass ihr 2,5jahre alter Sohn Nacht`s im Bett sitzt und *düüüdadaaa* ruft.
    *hä?*

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