Wenn Foodies ein Baby bekommen – vom Essen gehen mit Kindern

Als ich 2014/2015 mit dem Mini schwanger war, prophezeiten uns viele Freunde, dass nun alles anders werden würde. Das hören sicherlich alle werdenden Eltern – und wie bei allen anderen hinterließ das auch bei uns neben der riesigen Vorfreude auf unser lang ersehntes Wunschkind eine gewisse Unsicherheit. Natürlich war uns von vorneherein bewusst, dass ein Baby das Leben sehr verändert. Und genau das haben wir uns von ganzem Herzen gewünscht!

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Aber wir haben uns schon gefragt, kinderkompatibel unser Leben so ist und was sich mit dem ersehnten dritten Familienmitglied für die „Originalbesetzung“ so ändern würde. Bisher galt für uns: Spontan übers Wochende wegfahren, na klar! Abends vier Stunden sechs Gänge im Lieblingsrestaurant, aber gerne! Reisen und essen gehen gehören nämlich zu denen Dingen, die mein Mann und ich leidenschaftlich gerne tun. Und lecker selber kochen – aber das hat ja einen deutlich kinderfreundlicheren Ruf.

Ein bisschen Bammel hatten wir also schon, wie unser Leben zu dritt aussehen würde und wir wir gemeinsam mit dem Mini einen neuen Rythmus finden würden. Eine Sache war uns wichtig: wir wollten jetzt nicht nur zu Hause Spaghetti mit Tomatensauce kochen – obwohl das natürlich auch ab und an mal ein leckeres Rezept ist. Also galt es, nach der Geburt des Mini und den ersten verrückten Wochen mit einem Neugeborenen, die Bedürfnisse von zwei großen und einem ganz kleinen Menschen unter einen Hut zu bringen.

Ausgehen zu Dritt

Wir haben viel und sehr lecker zu Hause gekocht im letzten Jahr – und sind weiter essen gegangen. Zu dritt. Angefangen haben wir uns unserem traditionellen Wochenend-Frühstück in der Stadt. Bevor wir unsere Besorgungen erledigen und Schuster, Reinigung & Co. abklappern, starten wir nämlich schon lange bei einem ganz gemütlichen Frühstück in einem Café ins Wochenende. Zu dritt haben wir das zum ersten Mal gemacht als der Mini etwa sechs oder sieben Wochen alt war. Wir sahen sicherlich aus, als ob wir in das Café einziehen wollten, so bepackt waren wir für den etwa einstündigen Ausflug. Wenn ich mich richtig erinnere, hat der Mini unser erstes Frühstück auswärts bis auf eine kleine Stillpause komplett verschlafen. Irgendwann zum gleichen Zeitpunkt waren wie abends zum ersten Mal wieder alleine aus und meine Schwiegereltern haben auf den schlafenden Mini aufgepasst. Ich muss zugeben, dass die ersten Male abends weggehen nicht so richtig entspannt waren – wir klebten am Handy und fragten ständig nach, ob auch alles ok sei – Erstlingseltern halt. 😉 Inzwischen sind wir da deutlich entspannter und haben auch viel Übung! Unser Sohn hat zu Hause im Normalfall geschlafen wie ein Stein und es gar nicht mitbekommen, dass Mama und Papa unterwegs waren.

Es hat sich auch herausgestellt, dass es kein Problem ist, abends zu dritt essen zu gehen – wir achten dann natürlich darauf, dass es nicht allzu spät wird. Der Mini freut sich immer riesig, wenn es neben dem üblichen Abendessen unterwegs meistens noch etwas von unseren Tellern gibt – oder wir für ihn auch schon etwas eigenes bestellen. Nudeln mit Tomatensosse waren ein großer Hit, als wir kürzlich essen waren.

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Damit keine Langeweile aufkommt, sind wir natürlich immer noch bepackt, wenn wir mit ihm unterwegs sind. Jetzt allerdings weniger mit Wechselklamotten, Pampers oder Spucktuch, sondern vielmehr mit ausreichend Beschäftigungsmaterial für unseren Sohn. Wenn die Umgebung ausreichen erkundet ist, Kontakt zum Nachbartisch aufgenommen wurde – ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Menschen kennengelernt wie mit Kind – und das für ihn vorgesehen Essen verspeist ist, kommt irgendwann der Punkt, an dem wir interessante Mitbringsel aus der Tasche zaubern, um für Unterhaltung zu sorgen. Im Moment sind alle Arten von Büchern sehr beliebt – zum Blättern, annagen oder herunterwerfen, je nach Tagesform und Laune. Papas oder Mamas Portemonnaie ausräumen und untersuchen reicht locker für einen Hauptgang – man muss sich nur zu helfen wissen.

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…und was sagen die anderen Gäste?

Die Reaktionen waren bisher bei uns ausschließlich positiv, auch wenn es einmal ein wenig lauter wurde. Egal wo wir bisher waren, wir waren immer zu dritt willkommen und haben alle Unterstützung bekommen, die man mit Kind benötigt. Hochstuhl bringen, Gläschen warm machen, Servietten und Bierdeckel zum Bespaßen des Juniors bringen oder ein Scherz oder eine lustige Grimasse im Vorbeigehen – der Mini war bislang immer ein beliebter Gast. Und das trotz Krümeln unterm Stuhl und der ein oder anderen lautstarken Beschwerde. In den Osterferien hat unser Sohn dann seine Premiere in der Sterneküche mit Bravour absolviert: wir haben spontan zum Mittagessen in einem unserer Lieblingsrestaurants vorbeigeschaut und hatten eine wunderschöne Zeit und haben das Essen sehr genossen. Alle waren völlig entspannt, als der Mini anfing sich in einen Vorhang einzuwickeln und Kuckuck zu spielen. Allerdings: sechs Gänge sind mit kleiner Begleitung nicht mehr drin, so lange reicht seine Geduld dann doch (noch) nicht.

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Kochen zu Hause

Auch unsere Kocherei zu Hause hat sich in den vergangenen 12 Monaten verändert – wir kochen häufiger und unter der Woche muss es lecker schmecken, aber auch schnell gehen. Und am allerbesten noch eine Komponente enthalten, die unser kleiner Mann am nächsten Tag auch noch essen kann. Wenn der Mini abends schläft, schwingen wir also meisten den Kochlöffel. Große und aufwändige Rezepte heben wir uns fürs Wochenende auf und erledigen einen Teil der Vorbereitungen eventuell bereits am Nachmittag. Schließlich wollen wir nicht erst um 23 Uhr essen…

Eine Zeitlang haben wir nach der Geburt auch eine Kochbox ausprobiert. Es hörte sich prima an, die Rezepte klangen sehr lecker und schien uns eine bequeme Möglichkeit zu sein, gut zu essen und den Aufwand dafür zu minimieren. Wie sich herausstellte, passte das Prinzip der Kochbox aber nicht zu uns. Zum einen waren uns die Rezepte teilweise zu aufwändig für normale Abende, zum anderen stöbern wir einfach selber zu gerne in Kochzeitschriften und -büchern und überlegen, was wir ausprobieren möchten. Deshalb war die Kochbox & wir ein eher kurzes Intermezzo.

…also hat sich doch alles verändert?

Ja. Und nein. Es gibt nicht andauernd Spaghetti mit Tomatensauce, wir gehen immer noch essen und kochen auch noch begeistert zu Hause. Und das alles nicht mehr nur zu zweit, sondern manchmal sogar auch schon zu dritt. Und das ist total schön, weil wir alle Spass daran haben. Man macht sich im Vorfeld einfach viel zu viele Gedanken darüber, was andere denken oder stören könnte. Letztendlich gilt: einfach ausprobieren und herausfinden, was für alle passt.

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Wie handhabt ihr das Essengehen mit Kindern? Was hat sich bei euch verändert?

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